AktivA-Praxisaustausch 2019 über den Dächern von Dresden

von Lucie Zabcikova

Knapp 50 ausgebildete AktivA-Trainer und Trainerinnen nahmen vom 9. bis zum 10. Dezember an unserem diesjährigen AktivA-Traineraustausch teil und nutzten die Chance, sich über die Umsetzung von AktivA in den verschiedensten Kontexten auszutauschen. Daneben bot der Praxisaustausch die Möglichkeit, neue Methoden auszuprobieren und im Anschluss die Dresdner Weihnachtsmärkte gemeinsam zu entdecken.

Erfahrungsberichte

Im Fokus der Veranstaltung standen die 7 Erfahrungsberichte der ausgebildeten Trainerinnen und Trainer. So berichteten einige, dass die Implementierung bei einigen zunächst eine Herausforderung darstellte. Eine Trainerin sagte „Wir hatten vorher viel zu viele Ängste und Befürchtungen gehabt, die sich in der Umsetzung überhaupt nicht bewahrheitet haben. Wir haben unsere Kunden sehr unterschätzt“. Bei einer anderen hieß es zudem: „Es gibt viele Vorurteile – auch innerhalb des Jobcenters. Da heißt es manchmal nur: ‚Ach, da gibt’s ja nur Pralinen und die kochen auch noch Kaffee für ihre Kunden, AktivA war jahrelang nur der Pralinenkurs.“ Inzwischen habe sich die Sichtweise durch die Erfolge hier aber geändert. Das Training bietet zudem die Chance „endlich mal die Arbeitsvermittler anders zu erleben – so nett.“ „AktivA rückt mich selbst näher an die Kunden heran.“, sagte ein Arbeitsvermittler und „Wir sind dadurch ein Mensch, mit dem man reden kann – nicht mehr der doofe Jobcenter-Mitarbeiter.“ Laut einem Trainer komme es letztendlich darauf an „auch selbst bei dem Kurs mitzumachen.“ So gelänge es, Offenheit seitens der Teilnehmenden zu schaffen. Auch wenn die anfängliche Teilnehmerakquise nicht immer leicht ist, so berichteten einige davon, dass die Abbruchzahlen im Laufe des Kurses sehr gering seien. Eine anschauliche Infoveranstaltung ist hier eine gute Möglichkeit, um den Teilnehmenden das Programm näherzubringen. Ein Trainer berichtete, dass es sich bei ihnen bewährt hat hier bereits erste Anteile des Trainings einzubauen (z.B. eine Entspannungsübung), um für das Training zu begeistern.

Ganz zentral ist natürlich die Frage, inwiefern das Programm etwas bei den Teilnehmenden bewirken kann: Auch hier berichteten die Trainerinnen und Trainer von einigen Erfolgen. Im Fokus steht laut einigen insbesondere die Selbstwertsteigerung. „Viele gehen gestärkt aus AktivA.“ So sagte beispielsweise eine Teilnehmerin nach dem Kurs „Ich habe jetzt kein schlechtes Gewissen mehr, etwas für mich zu tun.“ Zudem sei „die Motivation, die durch AktivA entsteht, gut nutzbar.“ Ein Kunde gab zum Beispiel die Rückmeldung, dass das Training eine „gute Unterstützung für die Arbeitssuche“ war.

 

AktivA zum Anfassen

In den Pausen des Traineraustausch gab es, neben der Gelegenheit sich weiter auszutauschen, die Möglichkeit AktivA zum Anfassen an unseren 4 Modultischen zu erleben. Hier konnten die Trainerinnen und Trainer neue und ergänzende Methoden selbst ausprobieren.

Die Materialien können Sie hier downloaden oder bestellen:

Modul 1 – Aktivitätenplanung

Modul 2 – Konstruktives Denken

Modul 3 – Soziale Kompetenzen

Modul 4 – Systematisches Problemlösen

 

Beantwortung offener Fragen

Der Praxisaustausch bot den Trainerinnen und Trainern zudem die Gelegenheit offene Fragen zur Umsetzung des AktivA-Trainings zu stellen. Diese wurden dann in der Pause oder in Kleingruppen erarbeitet:

1. Welche alternativen Filme und Videos gibt es? 2. Wie kann ich Genuss auch ohne Schokolade ausprobieren?
Die Trainerinnen und Trainer sammelten eine Reihe von neuen Video- und Genussideen, z.B. die Fadenmethode zum Thema Sympathie und alternative Umsetzungsmöglichkeiten für die Genussübung, wie zum Beispiel die Wahrnehmung von leisen Geräuschen im Wald.

3. Wie kann ich Kunden für das AktivA Training gewinnen?
Auf der einen Seite sei es laut den Trainerinnen und Trainern sehr wichtig die Teilnehmenden zu begeistern, zum Beispiel durch den Einsatz verschiedener Medien oder durch Erfahrungsberichte ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Genauso relevant sei es aber auch bei Kolleginnen und Kollegen Werbung für AktivA zu machen, denn nur wer selbst vom Programm überzeugt ist, kann Teilnehmende dafür begeistern.

4. Wie kann ich die WOOP-Methode (Wunsch, Ergebnis, Hindernisse, Plan) für AktivA nutzen?
Zentrales Anliegen war es, dass das Bedürfnis hinter dem Ziel sowie die Diskussion von möglichen Stolpersteinen genug Raum bei der Ziel- und Maßnahmendefinition finden. Daher wurde nochmals betont, dass die Attraktivität eines Ziels bei SMART auch ernsthaft auszuarbeiten ist (z. B. durch „Ziele positiv aufladen“ oder direkten Einsatz der WOOP-Methode) sowie genug Raum gelassen wird, sodass Teilnehmende gemeinsam Stolpersteine und deren Beseitigung diskutieren können.

5. Wie kann ich das ABC-Schema vereinfachen?
Alles steht und fällt mit den Praxisbeispielen - umso näher die Beispiele an der Lebenswelt der Teilnehmenden sind, umso besser gelingt es den Trainerinnen und Trainern das ABC-Schema rüber zu bringen. Bewährt haben sich hier z.B. Stresssituationen im Jobcenter als Ausgangssituation. Hier kann man zudem auch einen Perspektivwechsel anregen – welche Bewertung könnte hinter dem Verhalten meines Gegenübers stecken? Weitere Methoden um die Bedeutung des ABC-Schemas zu verdeutlichen sind die Anekdote der Nordsibirischen Eisenbahn oder der Einsatz von Geschichten mit variablen Enden, z.B.: das Buch: Die Insel der 1000 Gefahren (bei Amazon anschauen).

Und nun?

Für das kommende Jahr haben wir uns vorgenommen, dass Rahmenbedingungen für den Einsatz des AktivA-Programms stärker kommuniziert werden. Auch AktivA im Einzelsetting wird eine stärkere Beachtung finden, da der Bedarf an individueller Unterstützung kontinuierlich zunimmt. Und letztlich soll es eine Wiederholung des AktivA-Praxisaustausches gegen Jahresende geben. Wir bleiben dran!

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